Tomte = Heureka Gestern haben Tomte im Abart in Zürich gespielt, und ich musste/durfte/sollte hin. Freundschaftsdienst, damit Felix als bekennender Tomte-Fan nicht allein unter 500 Teenies stehen musste. Den stolzen Preis von 40 CHF für das Ticket hätte ich im Leben nicht bezahlt – ausser evtl. nachträglich, wenn Tomte (oder ‘Dommde’, wie mein sächsischer Exkollege Steini immer zu sagen pflegte) mega gerockt hätten. Aus der Konserve finde ich Tomte nämlich nur einen Tick vor unerträglich, und ich konnte mich nur dazu durchringen auf das Konzert zu gehen, weil ich den Beitrag des Sängers Thees Uhlmann (oder war es doch Max Schröder?) den er zum Thema ‘Frische Väter’ für den Tagesspiegel am Sonntag geschrieben hat recht grossartig finde – der Beitrag ist gelesen auf der neuen CD ‘Heureka’ als Bonustrack dabei, die mir Felix untergejubelt hat.
Meiner Meinung nach hat Tomte aber eben genau das Problem dass sie tolle, tiefsinnige Texte machen, die aber ums verrecken nicht auf die recht einfältigen Melodien passen wollen, die sie dazu schrammeln. Will man ja nicht hören sowas, schon gar nicht live…
Jetzt sind aber viele Bands live deutlich forscher als in der Konserve, und Tomte schien mir ein Kandidat dafür zu sein. Um es kurz zu machen: es war ganz nett. Ich kannte die meisten Songs nicht, aber die Jungs hatten trotz der Tatsache, dass die ihr 12tes Konzert ohne Pause in Folge war, noch einigermassen Spass auf der Bühne und das steckt ja bekanntlich an. Trotz seines hohem Alters hat Thees sich in seiner Lederjacke ordentlich reingehängt und sich Mühe gegeben, ein jugendliches Auftreten mit dem Aussehen eines alten pädophilen Onkels zu verbinden. Kann aber auch sein dass das meine Selbstwahrnehmung war, ich hätte der Vater der meisten Anwesenden sein können. Es gab zum Glück aber noch ein paar mehr potentielle Väter im Abart, so dass der Altersschnitt dann doch deutlich über 20 lag.
Die Zugabe hat dann sogar mir recht gut gefallen, was mich aber wirklich irritiert hat war, dass wider Erwarten gar nicht nur Deutsche mit Heimweh auf dem Konzert waren, sondern ziemlich viele Schweizer, die ‘Wie sieht’s aus in Hamburg’ mitgesungen haben und auch sonst hemmungslos offen ihre Sympathie mit der sehr deutschen Band Tomte signalisiert haben. Eine für mich sehr verstörende Erfahrung. Nicht mal für die schlechten Fondue Witze von Thees gab es eine Abstrafung.
Ich bin verwirrt.
Das Konzert hab ich jetzt offiziell als Weihnachtskonzert von Felix verbucht, er bekommt dafür von mir ein Bier geschenkt, mit Weihnachtlicher Verpackung und Zimt.

Die kanadische Vorgruppe Novillera hat auf der Bühne deutlich mehr gerockt als man das vom Bandfoto erwarten durfte, und sich insgesamt auch schneller bewegtals Tomte, durfte aber nicht so laut spielen und hat deswegen ordentlichen, aber nicht berauschenden Zuspruch gefunden. Die Musik war ganz nett, aber nicht furchtbar neu oder orginell. Aber Kanadier sind ja schliesslich die besseren Amerikaner, das muss man honorieren.