
Seit einigen Wochen leiste ich mir wieder eine Zeitung. Naja, erstmal ein Probeabo für 30 CHF. Tagi und NZZ kann ich an der Uni kostenlos lesen und überhaupt ist der Haupteffekt eines Abos einer Tageszeitung bei mir eine 200% Zunahme des Altpapiers. Was liegt da näher als eine Wochenzeitung? Also versuche ich mich nun Woche für Woche durch Die Weltwoche zu arbeiten. Tendenziell ist die Weltwoche wohl eher ein Tick konservativer, als die übrigen von mir konsumierten Medien. Oder auch zwei. Manchmal auch drei. Ich leiste mir den Luxus, mir die Welt aus konservativer (nicht unbedingt immer reaktionärer) Sicht vorstellen zu lassen. Linke Gedanken habe ich selber genug, wie der geneigte Leser an dem einen oder anderen Beitrag hier vermutlich schon sehen konnte. Oder aber ich werde einfach wirklich langsam ein alter Bünzli-Sack, denke das Stärke Macht ist, Ausländer kriminell, Dreadlocks stinken und atomare Abschreckung der Weg zum Weltfrieden. Wie dem auch sei, ab und an ist es auch einfach interessant, neoliberalen Ereiferungen zu folgen, z.B. wenn die Äußerungen der südamerikanischen Präsidenten Chavez und Morales als “verbale Diarrhöe” bezeichnet werden. Ganz falsch ist es ja nicht, und Fäkalsprache hat ja nun immer eine gewisse Attraktivität, vielleicht wäre das auch mal was für die Süddeutsche, Scheisse nochmal.
Herzig ist auch das aktuelle Bemühen der Weltwoche, den Lesern das wahre, selbstverständlich sehr menschliche Gesicht und das harte Schicksal von Söhnen und Töchter berühmter, reicher und mächtiger Familien (die ich allesamt nicht kenne) nahezubringen. In die gleiche Sparte würde ich Interviews mit diversen Aufsichtsratvorsitzenden, CEOs und Unternehmensberatern einordnen, die wöchentlich der Weltwoche zu entnehmen sind. Auf die Dauer finde ich das dann aber doch recht anstrengend, denn wenn mich das Partyverhalten irgendwelcher schwerreicher Industriellensöhne interessieren würde, könnte ich auch einfach die Idiotenpostille 20min lesen. Die gibt’s umsonst, und sie hat auch wesentlich mehr Bilder und Werbung für tolle Klingeltöne!
Ein Beispiel ist das in der Ausgabe 3/06 gedruckte Interview mit Peter Brabeck, CEO und Aufsichtsratvorsitzender von Nestlé. Alles lesen »
