Am 31. Mai 2001 um 16:24 von Felix abgelegt unter Allgemeines, Eigenproduktionen
Vor 4-5 Jahren habe ich bei dooyoo.de mal ne ganze Reihe Testberichte unter dem Pseudonym ‘Flyguy’ (Oh mein Gott) geschrieben, vor allem ‘Musikrezensionen’. Ich finde es grad sehr lustig, die nochmal zu lesen. Zum Teil gabs recht groe Resonanz, deshalb stell ich sie einfach mal hier ein…
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Seine Knie waren pltzlich eingeknickt und hatten ihn zurck in seinen Sessel gezwungen. Nur mit Mhe hatte er einen Sturz mitten auf den kleinen 70er-Jahre Plastiktisch verhindern knnen, auf dem ein Kunstfaserdeckchen mit geometrischen Figuren in verschiedenen Rot- und Brauntnen von leeren Flaschen, Aschenbechern, Kassettenhllen und dutzenden Papieren aller Gren fast verdeckt wurde.
Eben noch war er erregt aufgesprungen und hatte unglubig auf den kleinen Fernseher gestarrt, im nchsten Augenblick sackte er in sich zusammen und schien in dem mit rotem Samt bespannten Schalensessel fast zu versinken.
Immer tiefer zog es ihn hinunter, als wrde sich der Sessel langsam seinem Krper anpassen und sich sanft um ihn legen. Gleichzeitig bekam er das Gefhl, dass seine Beine anfingen zu wachsen und sein Knie immer hher und hher ber dem Boden ragten, whrend sein Kopf langsam zwischen den Schultern zu versinken drohte.
Das Gequake des Fernsehers rckte immer mehr in den Hintergrund und verband sich mit der intensiver werdenden Musik der Stereoanlage, die begann, den Raum auszufllen.
Ein dnner, weier Schleier zog vor seine Augen, verbunden mit einem leichten Brennen, und die Farben um ihn herum schienen gleichzeitig zu verschwimmen und doch immer lebendiger zu werden.
Die Lichtpunkte der Diskokugel ber ihm wichen immer fter von ihrer stetigen Bahn ab und die bunten Spots warfen immer neue Schatten in alle Ecken des Raumes.
Er blickte starr in die hinterste Ecke des Raumes, wo orange Blasen sich behbig vom Boden der Lavalampe lsten und langsam nach oben stiegen.
Die Musik lief langsam in seinen Kopf, die Bsse schwappten wie eine zhe Flssigkeit durch seinen Schdel und lsten kleine bunte Blitze aus, die durch eine trge graue Masse zuckten.
Das Muster der Tapete begann unmerklich, sich in kleinen Spiralen aufzudrehen.
Er schloss die Augen.
Augenblicklich begannen Tne und Klnge auf ihn einzustrzen.
Mehr und mehr Instrumente und Gerusche trennten sich auf und nahmen feste Orte an in einem Raum aus Klang. Melodien, komplex und doch schn und klar, zogen in pulsierenden Reihen durch Ihn hindurch.
Als er die Augen ffnete, starrte er benommen auf die Lavalampe, in der eine dicke orange Blase reglos in der Mitte der Flasche hing. Dahinter konnte er die Lichtflecken der Diskokugel sehen, die bewegungslos an der Wand verharrten. Er zwang sich, den Blick auf seine Beine zu richten: seine Knie stakten in absurdem Winkel in die Hhe. Zwischen ihnen hindurchblickend bemerkte er, wie einzelne Fasern des Teppichs begannen, langsam an seinen Waden emporzuwachsen.
Er nahm all seine Kraft zusammen und kippt nach links aus dem Sessel, rappelte sich auf und taumelte zur Tr, in den Gang, die Kellertreppe hinauf und vor die Tr.
Die Sonne schickte Ihre letzten Strahlen ber das Land direkt in seine Netzhaut und ein leichter Wind fegte den Nebel aus seinen Augen.
Stille legte sich auf ihn wie ein Vakuum, schien das Gewummere der Musik hinter ihm zu verschlucken, kein Laut dran von der Strasse, keine Stimme.
Er trat zgerlich zwei Schritte aus dem Hof und blickte irr auf das Wahlplakat auf der gegenberliegenden Seite.
Er war pltzlich wieder ganz klar.
Er hatte sich dafr entschieden zu bleiben. Gestern hatte er das Ticket in letzter Minute zurckgegeben und damit auch das Geld abgelehnt.
Eben hatten sie das amtliche Endergebnis bekannt gegeben.
Bei 46% Wahlbeteiligung und mit einfacher Mehrheit wrde Roland Koch der nchste Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland werden.